Freiheit statt Angst - die Demo 2010

Mittwoch, 28. Juli 2010 15:54

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln!
Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos<br />
und Materialien:

Thema: Innere Sicherheit, Legislative, Politik, Terrorismus | Kommentare (0)

Das Okular

Samstag, 9. Mai 2009 21:58

Das Okular- seit den ersten Zeiten optischer Technik ein Gerät für tiefere Einblicke. Die Welt braucht Tiefe. Wir sind umgeben von einer stets wachsenden Komplexität- eine Komplexität, auf die die Politik jedoch mit simplen Antworten reagiert. Antworten, die dringend einer tieferen Betrachtung erfordern.

Dafür hat man das Okular geschaffen: Für den tieferen Blick unter die Oberflächlichkeit. Das ist der Sinn dieses Blogs- unter die Oberfläche sehen.

Disclaimer: Das Okular ist ein rein privat betriebener Blog auf suedblog.de ohne gewerblichen oder journalistischen Anspruch und unterliegt somit nicht der Impressumspflicht.

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LKA Vorrats-PR im Südkurier

Donnerstag, 29. Juli 2010 9:50

Seit dem Kippen der Vorratsdatenspeicherung durch das Bundesverfassungsgericht werden die Ermittlungsbehörden nicht müde, der Politik und dem Volke zu erklären, daß die Fortsetzung ihrer Arbeit geährdet sei und die Sicherheit in Deutschland den Bach hinunter geht.
Umso besser, wenn man gerade einen Journalisten zu Besuch hat, dem man sein Leid zu klagen vermag und der diese Information liebend gern in eine Titelstory mit Headline auf Boulevard-Niveau verpackt. Unreflektiert, versteht sich.
So geschehen im Südkurier der heutigen Ausgabe vomn 29.7.2010. Unter der Schlagzeile “Fahnder schlagen Alarm” auf der Titelseite wird ein Szenario suggeriert, nach dem in Deutschland bald die Vandalen hausen und Verbrecher und Kriminelle freie Bahn hätten. Grund: Kein Zugriff mehr auf IP-Adressen und Telefondaten. Die üblichen und sattsam bekannten Beispiele von Stalkern, hypothetischen Bombenlegern und, natürlich, Kinderpornographie dürfen nicht fehlen ebenso wie Internetbetrug. Garniert mit abstrusen und ungeprüften Prozent-Zahlen.
Und weil das Ganze noch nicht dramatisch genug ist wird ein entsprechendes Interview 3/4-seitig hinzugefügt und im Kommentar gleich noch schnell gefordert, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung nicht über die körperliche Unversehrtheit zu stellen.
Daß Nils Köhler, der Autor, hier von Recherchen spricht, ist sicher ein Versehen. Hätte er recherchiert und das Thema umfassend betrachtet, wäre vielleicht Folgendes nicht unter den Tisch gefallen:

  • Das Urteil wurde nicht von irgendeinem Provinzgericht gefällt, sondern von der höchsten deutschen Verfassungsinstanz nach Abwägung von informationeller Selbstbestimmung, Datenschutz, Verhältnismäßigkeit und Schutz der Gemeinschaft. Was im Kommentar gefordert wird, ist nicht weniger als die Verschiebung dieser Abwägung weg von verfassungsgemäßen Rechten der Bürger hin zu mehr Sicherheit. Für einen Journalisten eine seltsame Forderung. Ich unterstelle Herrn Köhler mal nicht, daß er sich nicht auf dem Boden unserer Verfassung zu bewegen gedenkt
  • Datenschutz ist einer der Punkte, die das BVerfG bei einer entsprechenden Lösung angemahnt hat und die in dem gesetzlich verabschiedeten Rahmen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Tatsächlich steht zu bezweifeln, ob ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden kann, der verfassungsgemäßen Standards genügen würde
  • Das BKA selbst ging bei der Einführung der VDS von einer Erhöhung der Erfolgsquote von gerade mal 0,006% aus
  • Die genannten Fälle sind rein hypothetischer Natur, Einzelfälle und tauchen immer wieder auf. Auch Herr Ziercke vom BKA greift diese gerne mal auf. Tatsächlich ist die Auswertung der VDS-Daten gemäß Urteil des BVerfG von März 2008 nur für schwerste Gefahr von Leib und Leben zulässig, nicht für Internetbetrug, nicht für Stalking, nicht für Verstöße gegen Urheberrecht und nicht für Verstöße gegen §184 (Verbreitung kinderpornographischer Schriften) anwendbar. Der Bereich lebensbedrohlicher Gefahren wiederum ist derart klein im kriminalistischen Gesamtbild, daß eine Verhältnimäßigkeit der Datensammlung nicht gegeben ist. Zumal die Erfolgsrate durch die VDS nur marginal erhöht wird (siehe oben)
  • Die gesammelten Daten sind nicht seit 2008 verfügbar, sondern eine Verpflichtung zur Speicherung erfolgte in der Umsetzung erst seit 1.1.2009. Sämtliche Daten seit 2008, auf die sich der interviewte Ermittler bezieht, sind daher Bestandsdaten, die nichts mit der VDS zu tun haben und auf die der Zugriff heute nach wie vor möglich ist (sofern beim Provider vorhanden). Er schwindelt hier also etwas, oder sagen wir, er biegt sich die Wahrheit zurecht.
  • Die Beschwerden der Ermittler beziehen sich auf Daten, die nicht verfassungskonform erhoben wurden und daher gar nicht erst hätten erhoben oder genutzt werden dürfen. Insofern beschweren sie sich über einen lieb gewonnenen, aber nicht zulässigen Zustand. Die Ermittler haben ebensowenig Recht auf diese Datensammlung, wie sie das Recht hätten, zu Ermittlungszwecken ein wenig zu foltern.
  • Die geforderten Daten sind in den meisten Fällen über einen beim Provider beantragten Quick Freeze (ähnlich der Fangschaltung) für eine spezifische Telefonnummer oder IP-Adresse ebenso erhältlich- ohne pauschale Speicherung des Kommunikationsverhaltens aller Bürger. Die Telekommunikations-Unternehmen sind in der Lage, dies bei richterlichem Beschluß zeitnah und zeitlich begrenzt zur Verfügung zustellen. Das verschweigt der Herr Kommissar leider.

Der Artikel im Südkurier hinterlässt eine dicke Enttäuschung, weil sich eine renommierte Zeitung vor den Karren der Ermittler spannen lässt und unreflektiert widerkäut, was auf dem silbernen Tablett präsentiert wird. In diesem Atemzug von “Recherche” zu sprechen zeugt von Chuzpe. Hier werden alle Bestrebungen, dem Bürger die VDS-Problematik zu erklären, konterkariert. Dieselbe Zeitung hat es immerhin schon einmal geschafft, nach dem VDS-Urteil eine neutrale Übersicht zu geben. Damals wurde das Urteil sogar noch positiv kommentiert.

Link: Argumente Vorratsdatenspeicherung

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Terror-F(l)achmann made in Gallien

Dienstag, 27. Juli 2010 13:22

Franzosen, und das ist ein Erfahrungswert, tun sich mit Fremdsprachen traditionell etwas schwer.  Insbesondere mit dem Englischen und nun, wie es scheint, auch dem Arabischen.

Das vermeintliche Terrormanifest entpuppt sich als Programmierhandbuch

Das vermeintliche Terrormanifest entpuppt sich als Programmierhandbuch

Roland Jaquard, als Terrorismus-Experte geführter Präsident der unabhängigen Organisation von Experten in ständiger Bereitschaft in Terrorismusfragen (frei übersetzt von des experts en veille permanente sur la question du terrorisme) präsentierte Montag abend auf dem französischen Sender France 5 ein Dokument, das er als Dokument für die Führungsspitze Al-Quaidas klassifizierte. Laut Jacquard stelle es deren Führungsspitze die Software zur Verfügung, die den Überblick und den Datenaustausch im Netz zwischen wichtigen Persönlichkeiten ermögliche. Er nennt das Dokument die “Encyclopedie”, was auch auf dem Titel erkennbar ist.

Diese Encyclopedie sei nicht auf dem Netz verfügbar, da sie der Al-Quaida-Spitze ermögliche, sich der Verfolgung durch Nachrichtendienste zu entziehen. Der weitere Titel sei “Secrets Moudjahidine 2″ (Geheimnisse der Mudschahedin 2) und es enthalte 300 Seiten.

Vermutlich hat er das Dokument nicht gelesen, geschweige denn verstanden. Kann er auch nicht. Offensichtlich handelt es sich um die arabische Ausgabe eines banalen Handbuchs für C++-Programmierer mit 101 Seiten, wie sie sich im Internet leicht aufffinden lässt. Das steht nämlich ebenfalls auf dem Titel und zwar in Englisch: C++ Encyclopedia Programming.

Weitere Werke desselben Autors lassen sich übrigens auch auf einer Webseite finden, die dem Sufismus zugeordnet wird, einer mystischen Strömung im Islam, die weitgehend friedlicher Natur ist.

Ein wirklich ernst zu nehmender Experte. Von dieser Sorte befinden sich offensichtlich noch wesentlich mehr in Umlauf.

Jacquard hat übrigens selbst Literatur über bspw. Osama bin Laden verfasst. Wenn diese dasselbe Niveau hat, wie sein Beitrag auf France 5, dann sollte eigentlich alles gesagt sein.

Ergänzung:

Obiger Link führt zu dem französischen Original der Meldung, ich habe es frei übersetzt und kommentiert. Wer des Französischen mächtig ist, darf dort nachlesen, es findet sich auch der Link zur archivierten Sendung

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Merksatz für Widerkäuer

Donnerstag, 22. Juli 2010 16:33

Auf die vielen unglaublich unkonstruktiven und teils intellektuell recht bescheidenen öffentlichen Wortmeldungen (u.a. das BKA, der BDK, Junge UnionBeate Merk, und andere) beim Thema Access-Blocking gegen Kinderpornographie einzugehen, erscheint mir recht müßig.

Daher hier, und speziell für Beate Merk, nun folgender kleiner Merk-Satz:

Selbst wenn eine Weide schon seit langer Zeit abgegrast ist, kommt regelmäßig immer wieder ein Rindvieh daher und wirft einen satten, dampfenden Fladen drauf

Mir fällt in diesem Zusammenhang auch der unvergessene Heinz Erhardt ein:

Auf der saftig grünen Wiese,

weidet ausgerechnet diese,

eine Kuh.

Was ihr schmeckte widerkaut se

mit der Schnauze,

dann verdaut se,

und macht Muh.

Tränig und das Maul bewegend

schaut sie dämlich in die Gegend.

Gerad wie du.

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Mitzeichnen erwünscht: Petition gegen Steinigung

Mittwoch, 14. Juli 2010 9:11

Die Kampagnenseite Avaaz.org hat eine grundsätzlich begrüssenswerte Petition aufgesetzt mit dem Ziel, durch öffentlichen Druck die Steinigung und Exekution iranischer Frauen auszusetzen. Der konkrete Aufhänger ist der Fall von Sakineh Mohammadi Ashtiani, die laut avaaz.org nach einem völkerrechtlich unakzeptablen Gerichtsurteil derzeit in einem iranischen Gefängnis sitzt.

Durch die Kampagne soll massiver öffentlicher Druck auf die religiöse Führung aufgebaut werden, diesen und andere Fälle neu zu bewerten und die brutalen Steinigungen auszusetzen.

Wer sich an der Kampagne beteiligen möchte, wird gebeten, die Petition zu unterzeichnen.

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Der Brüller zum Thema Intelligenz

Dienstag, 29. Juni 2010 10:33

In den letzten Tagen wurde viel über Intelligenztests gesprochen. In der BILD, der CDU/CSU  und andernorts. Wobei sich ganz offensichtlich Blinde über Farben  unterhielten.

Daß man hätte weniger reden und mehr denken sollen, zeigt der Hinweis auf Kanada, das angeblich schon länger Intelligenztests für Einwanderer hätte. Haben sie auch. Wenn man des Englischen nämlich in einer Weise mächtig ist, die es erlaubt, bspw. die Central Intelligence Agency (CIA) der USA mit einer Intelligenz-Agentur gleichzusetzen. Was, wie wir wissen, überhaupt nichts miteinander zu tun hat. Wie auch Army Intelligence ein Widerspruch in zwei Wörtern ist.

Kanada hat einen Intelligence Service für Einwanderer, was kein Intelligenztest, sondern eine nachrichtendienstliche Sicherheitsüberprüfung ist.

Ein echter Brüller. Politiker dürften sich gerne mehr mit derart wirren Vorschlägen outen. Aus diesem Grunde erhält dieser Artikel auch den Tag “Comedy”.

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Offene Antwort an Dr. Reinhard Löffler (CDU)

Sonntag, 27. Juni 2010 12:57

Daß Dr. Reinhard Löffler (CDU) etwas dünnhäutig reagiert, wenn ihn viele Bürger per Formbrief auf die Bundespräsidentenwahl ansprechen, hatten wir bereits erwähnt.

Eine direkte Antwort stand bislang aus, daher hier nun die vollständige Antwort an den Stuttgarter Landtagsabgeordneten, der offenbar noch nicht im Zeitalter elektronischer Bürger-Abgeordneten-Kommunikation angekommen ist:

Sehr geehrter Herr Löffler.

Vielleicht ist es Ihnen nicht geläufig, daß auch im elektronischen Mailverkehr eine Nachricht mit einer Höflichkeitsfloskel beginnt. Daher erinnere ich Sie hiermit freundlichst daran.

Zu Ihrer Erläuterung: Sie erhielten eine Reihe von EMails, in denen Bürger per Formtext ihren Wunsch nach angemessener Vertretung bei der Wahl des Bundespräsidenten artikuliert haben zund zwar aus freien Stücken. Der Formtext wurde von einer Webseite freundlicherweise bereitgestellt.
Ihre Unterstellung, diese Bürger hätten sich aus welcher Motivation auch immer zu “etwas hergegeben” und die daraus implizierte Unmündigkeit halte ich für eine unverschämte Anmaßung. Noch weitaus erschreckender finde ich ihre Ansicht, selbst zu wissen, was Meinung des Bürgers ist und was nicht.
Mit dieser Haltung möchte ich Sie doch tunlichst bitten, Ihr Amt als Vertreter eben jener Bürger anderen Kollegen zur Verfügung zu stellen.

Von einer “Werbekampagne” zu sprechen ist angesichts des Inhalts der Mails lächerlich- an keiner Stelle wird dort ein Produkt oder Kandidat explizit oder implizit beworben. Wenn Sie sich bereits durch die Aufforderung nach freier Wahl per Gewissen unter Druck geraten sehen, lässt das nur darauf schließen, daß bereits ein (parteipolitischer) Druck in anderer Richtung besteht. Der daraus folgende Rückschluß ist klar: Eine freie Wahl sieht anders aus.

Im Grunde genommen bestätigen Sie mit dieser Haltung doch nur, was der Bürger schon lange vermutet und beschädigen das Ansehen von Politik im Allgemeinen und dem Amt des Bundespräsidenten als unabhängige Instanz bundesdeutscher Demokratie.
Über die Gründe von Politikverdrossenheit braucht man sich daher nicht mehr zu wundern.
Ich erlaube mir daher, meine Antwort an Sie als offenen Brief an geeigneter Stelle zu publizieren. Ihre Nachricht an mich werde ich dabei privat behandeln und nicht im Wortlaut zitieren, es sei denn, Sie wünschen dies ausdrücklich.

Mit freundlichen Grüßen,

Update:
Mittlerweile sind auch andere Antworten eingegangen, bspw. von SPD, Grünen und Verdi. Wohlgemerkt, höfliche, freundliche Antworten. Niemand hatte sich derart im Ton vergriffen, wie der Abgeordnete Löffler.

Update2:
Hauke vom Südwestdeutschen Pressedienst hat dankenswerterweise darauf hingewiesen, daß es über den sittenstrengen Reinhard Löffler interessante Details gibt, die eines Friedrich Schiller würdig wären. Von einer Geliebten ist die Rede und einem Nebenbuhler sowie Handgreiflichkeiten und Körperverletzung. Nachzulesen unter anderem in den Stuttgarter Nachrichten.

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Gute Wahlen Schlechte Wahlen - die Gewissens-Soap

Freitag, 25. Juni 2010 16:58

In wenigen Tagen ist Wahl des Bundespräsidenten und längst bespringt einen die Gewissheit von hinten, daß nicht das Wohl des Landes, sondern das Wohl von Parteien und Regierungen maßgebliche Ausschlaggeber für die Stimmabgabe der Wahlmänner sind. Und damit für diese Parteien auch der für sie günstigere Kandidat das Rennen macht, wird zwar vordergründig immer schön postuliert, die Stimmabgabe werde nach Gewissen erfolgen, aber wem gilt das Gewissen eigentlich wirklich? Man wird den Eindruck nicht los, das Gewissen könnte ein gewisses schlechtes Gefühl gegenüber der eigenen Partei sein. Die Außendarstellung beim Bürger jedenfalls ist fatal.

Eine gute Idee ist es daher, wenn der Bürger seinen Abgeordneten hier mal freundlich darauf hinweist, daß er als Bürger auch noch da ist und sein Wille gerne vertreten werden möchte, wie es im Grundgesetz geregelt ist. Um es dem Bürger einfach zu machen, seine Stimme zu erheben, hat beispielsweise die Kampagnenseite avaaz.org eine Webseite zur Verfügung gestellt, in der der mündige Bürger einen Formbrief an die jeweiligen Wahlmänner seines Bundeslandes absenden kann. Der (bei Bedarf abänderbare) Standardtext lautet wie folgt:

Sehr geehrte Delegierte aus Baden-Württemberg

Ich schreibe Ihnen heute als Bürger unseres Landes, da Sie gemeinsam mit 1243 Repräsentanten am 30. Juni uns, die Bürgerinnen und Bürger in der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten vertreten werden. Nach meinem Verständnis ist das Amt des Bundespräsidenten überparteilich und sollte moralische Autorität und Führungsqualitäten aufweisen, die alle Deutschen miteinander vereint. Aus diesem Grund fordere ich Sie dazu auf, Parteipolitik und Fraktionszwang ausser Acht zu lassen und im Sinne der Bürger unseres Landes zu wählen.

Mit freundlichen Grüßen,
<Name und Land>

Höflich, mit Gruß und Anrede.

Nun ist bei der CDU (eigentlich erwartungsgemäß) das Prinzip des sich Gehör verschaffenden Bürgers übers Internet wohl noch nicht so recht angekommen.

Die Antwort des baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Reinhard Löffler lässt an Deutungshoheit kaum hoch Zweifel, daß er das Wort Kampagne im demokratischen Sinn weder verstanden hat, noch gewillt ist, sich damit auseinanderzusetzen.

In einer Antwortmail, die dem Okular vorliegt, begrüßt er es, wenn sich Bürger mit Politikern in Diskussion zu treten wünschen, beschwert sich aber im selben Atemzug, daß er hunderte von Mails mit gleichem Wortlaut erhält- er bezeichnet dies als Spam einer Kampagne mit dem Ziel, ihn unter Druck setzen zu wollen. Gleichzeitig weigert er sich anzuerkennen, dies sei Bürgermeinung. Er sieht sich wohl selbst als Opfer irgendeiner politischen Kampagne und bezeichnet es als “Werbekampagne”. Weiterhin findet er es schade, daß man sich dafür hergebe.

Sehr geehrter Herr Löffler (und im Gegensatz zu ihrer Mail beginnen wir eine Nachricht auch elektronisch mit einer Höflichkeitsfloskel, was sich meiner Meinung nach so gehört).

In dieser “Kampagne” wird weder geworben, noch Druck ausgeübt, eine bestimmte Wahl zu treffen. Da sie dieses Gefühl haben, kann ich hier nur die Diagnose der Dünnhäutigkeit ausstellen. Es handelt sich auch nicht um Spam, da sie als Abgeordneter, wie sie selbst zugeben, in Diskussion mit dem Bürger treten sollten. Der Konjunktiv ist hier bewusst gewählt, denn sie scheinen dieses “InDiskussionTreten” nicht einmal zu bemerken, wenn es ihnen auf den Füßen steht. Mehrere hundert Bürger haben freundlich darauf hingewiesen, daß sie eine freie Wahl des Bundespräsidenten wünschen, ohne Zwang von Fraktionen. Mehr nicht.

Diese geben sich tatsächlich für etwas her, nämlich für ihr eigenes Interesse an Politik, was Sie als gesteuerte Kampagne interpretieren. Daß sie diesen mehreren hundert Bürgern vorwerfen, keine eigene Meinung zu vertreten, läßt interessante Rückschlüsse auf ihr Verständnis ihrer Funktion als Volksvertreter zu.

Vielleicht wäre es Ihnen ja lieber gewesen, hätten diese anstatt des Formtextes Individualtexte verwendet. Aber dann hätten Sie sich damit ja auch noch einzeln auseinandersetzen müssen, dann wäre es auch nicht recht gewesen.

Als kleines Fazit bleibt wie immer anzumerken: Der Standard-Abgeordnete wünscht die Diskussion mit dem Bürger. Und wenn die Bürger dann tatsächlich einmal alle kommen, erschrickt er erst einmal gehörig- und schließt die Tür.

Zum Abschluß grüßen wir natürlich. Und zwar freundlich. Dafür hat es noch gereicht.

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WM 2010 - die Wurm-Medienschaft

Freitag, 18. Juni 2010 16:42

2010 - ich bin dabei - oder auch nicht

Wir schreiben das Jahr 2010, Deutschland ist Hightech-Standort und die Kanzlerin hat die IT-Offensive verkündet. Nebenbei ist auch noch Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Es spielt: Deutschland gegen Serbien und zwar in 10 Minuten. Schnell noch die URL für den Mediastream vom ZDF kopiert (Heise sei Dank, ich hatte mich bereits im Vorfeld mit Adressen bewaffnet), in den Mediaplayer eingetragen. Gleich geht es los, Hurra. Jogi, ich komme, ich bin dabei. Seelisch moralische Unterstützung durch Ferntröten mit der virtuellen Vuvuzela.

Nix da. Was los geht: Eine freundliche Stimme teilt mir mit, daß der Stream-Content nicht mehr gültig ist. Warum, erfahre ich erst später. Gut, den HTML-Stream vergesse ich nach 5 Minuten, das ZDF hat noch einen Flash-Stream. Noch wenige Minuten bis Anpiff. Hauptseite vom ZDF, der Livestream wird frontal beworben, er springt direkt ins Auge, man kann ihn nicht verfehlen, wie Poldi das Tor - also click und los.

Warten, warten, warten… Nichts passiert. Weitere Minuten später gebe ich auf, das Spiel läuft bereits. Kein Trick funktioniert. Über Twitter teilen mir andere Leidensgenossen bereits mit, daß der Livestream verstorben ist. Wenigstens geht der WM-Ticker. Mittlerweile steht es bereit 1:0 für Serbien.

Der Ticker wiederum hängt der aktuellen Entwicklung hinterher, die Aktualisierung dauert zeitweise mehrere Minuten. Ist also keine Dauerlösung. Was tun? Der Ticker teilt mir mit, daß Klose vor sieben Minuten vom Platz flog. Die Kollegen beim Public Viewing wissen das bereits deutlich länger.

Mit dem zweiten (Versuch) sieht man besser - für 3 Minuten

Heise.de gibt den Tip mit Zattoo. Zattoo streamt das Fernsehprogramm in mittlerer Qualität ins Netz. Also schnell registriert, angemeldet und - Olli Kahn ist da. Nicht zum Fußballspielen, sondern um mir zu erklären, warum sein Fondsmanager der beste ist. Von mir aus. Der Link zum ZDF-Stream ist schnell gefunden, Click, kurze Sanduhr und- Olli Kahn erläutert mir erneut seine Finanzpräferenz. Weitere 20 Sekunden vergehen. Danach, Jubel, Trubel, Heiterkeit, habe ich sogar ein Bild- bewegt mit Ton (sogar dem richtigen). Die Qualität ist annehmbar und reicht für Fußball gucken im Büro locker aus.

Drei Minuten WM-Glückseligkeit (sieht man von der miserablen ersten Halbzeit ab), dann friert auch hier das Bild ein. Früher war das der Zeitpunkt, an dem Opa stinksauer zum Fernsehkasten rannte, um seitlich vehement dagegen zu hauen, oder einen Enkel zur Antenne aufs Dach zu schicken. Die Älteren unter uns werden sich daran erinnern. Ich habe keine Antenne, ich habe ein Netzwerkkabel und rütteln hilft nichts, weil das Problem weit dahinter liegt.

Reload der Website liefert ein Erfolgserlebnis- immerhin erscheint wieder Olli Kahn. Danach ist alles tot, sieht man von der Meldung ab, es gäbe technische Probleme und man möge es bitte noch einmal versuchen. Vermutlich, um Olli Kahn nochmal sehen zu können. So veranlagt bin ich aber nicht. Drei mal genügt vollkommen.

Back to the roots

Mittlerweile laufen drei verschiedene Ticker auf meinem Desktop, mit unterschiedlicher Verzögerung zum Spielgeschehen. Was also bleibt, um ein Mindestmaß an Aktulität zu erhalten? Das gute alte Radio ist seit Längerem im Internetzeitalter angekommen und WDR2 bietet einen Livestream zum Spiel. Oh Wunder, das funktioniert. Wie früher im Urlaub, als unsere einzige Verbindung zu Europa- und Weltmeisterschaften ein Radio war, weil die Ferienwohnung keinen Fernseher hatte. Und, kaum zu glauben, das hält sogar bis Ende der zweiten Halbzeit ohne Aussetzer.

Das ZDF hatte übrigens in der Zwischenzeit alle Links zur Live-Übertragung von der  Homepage entfernt. Man hat da was gemerkt. Offensichtlich war man völlig überrascht, daß es eine WM mit deutscher Beteiligung gab und daß Menschen den Livestream nutzen könnten.

Kein Bild kein Ton - die Wurm-Medienschaft

Ich darf mich noch einmal zitieren:

Wir schreiben das Jahr 2010, Deutschland ist Hightech-Standort und die Kanzlerin hat die IT-Offensive angekündigt. Nebenbei ist auch noch Fußballweltmeisterschaft in Südafrika.

Im Jahr 2010 ist Deutschland, das Hightech-Land schlechthin, also immer noch nicht in der Lage, seinen Bürgern und Gebührenzahlern eine Live-Übertragung eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse über das Internet zu ermöglichen.

Ehrlich gesagt- es hätte mich gewundert. In einem Land, das dem größten Internetprovider namens Telekom die Füße küsst und Subventionen und Gesetze für den Ausbau veralteter (V)DSL-Technik in den Allerwertesten stopft, während die halbe Welt diese Republik beim flächendeckenden Ausbau von Glasfasertechnik gnadenlos abhängt, da darf man sich nicht überraschen lassen. Schon gar nicht, daß die zweitgrößte staatliche Sendeanstalt Deutschlands nicht fähig ist, ihre Gebührenzahler mit funktionierenden und ausreichend dimensionierten Streams  zu versorgen. Während sich die Contentprovider um Geschäftsmodelle balgen und um iPhone-Apps prügeln wird kein Gedanke an Infrastruktur verschwendet, die möglicherweise schon für die schöne heutige Welt unterdimensioniert ist, geschweige denn für die schöne neue Welt.

Gut, das Spiel war nicht so aufregend- um ehrlich zu sein, war es, gelinde gesagt, verbesserungswürdig. Aber daß jetzt keiner kommt und das als Argument nimmt. Und, Frau Merkel, wenn sie Brot und Spiele wollen, damit keiner ihre Sparpakete und Steuererhöhungen zur Kenntnis nimmt- das war ein ziemlich schlechter Ansatz. Da muß noch deutlich mehr kommen. Aktuell ist da der Wurm drin.

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Blatt(er)schuß ins Netz(er)

Sonntag, 13. Juni 2010 23:11

Im allgemeinen WM-Fieber ist es recht aufschlußreich, mal zu verifizieren, wofür eigentlich unsere Fernsehgebühren so eingesetzt werden.

Die Übertragungsrechte der WM liegen bei der Schweizer Firma Infront, deren Gründer und Executive Managing Director ein gewisser Günter Netzer ist. CEO dieser Firma ist wiederum ein gewisser Philippe Blatter, dessen Onkel eben jener Sepp Blatter ist, der als Präsident der FIFA einen gewichtigen Posten bei der Vergabe eben jener Rechte hat. Von Infront kaufen ARD und ZDF ihre Übertragungsrechte.

Die Bilder wiederum liefert der Sender HBS, der extra für diesen Zweck 2006 von Infront gegründet wurde. Von HBS wiederum kaufen ARD und ZDF ihre Bilder ein.

Der ARD-Experte der WM heißt Günter Netzer, zu dessen Expertise die ARD bislang nicht bekannt gemacht hat, wie hoch diese Expertise budgetiert ist.

Wie man sieht, sind unsere Gebühren gut angelegt, landen sie doch wohl in immer denselben Taschen, wobei diese Taschen gleich dafür sorgen, daß es so bleibt.

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