Offene Antwort an Dr. Reinhard Löffler (CDU)
Sonntag, 27. Juni 2010 12:57
Daß Dr. Reinhard Löffler (CDU) etwas dünnhäutig reagiert, wenn ihn viele Bürger per Formbrief auf die Bundespräsidentenwahl ansprechen, hatten wir bereits erwähnt.
Eine direkte Antwort stand bislang aus, daher hier nun die vollständige Antwort an den Stuttgarter Landtagsabgeordneten, der offenbar noch nicht im Zeitalter elektronischer Bürger-Abgeordneten-Kommunikation angekommen ist:
Sehr geehrter Herr Löffler.
Vielleicht ist es Ihnen nicht geläufig, daß auch im elektronischen Mailverkehr eine Nachricht mit einer Höflichkeitsfloskel beginnt. Daher erinnere ich Sie hiermit freundlichst daran.
Zu Ihrer Erläuterung: Sie erhielten eine Reihe von EMails, in denen Bürger per Formtext ihren Wunsch nach angemessener Vertretung bei der Wahl des Bundespräsidenten artikuliert haben zund zwar aus freien Stücken. Der Formtext wurde von einer Webseite freundlicherweise bereitgestellt.
Ihre Unterstellung, diese Bürger hätten sich aus welcher Motivation auch immer zu “etwas hergegeben” und die daraus implizierte Unmündigkeit halte ich für eine unverschämte Anmaßung. Noch weitaus erschreckender finde ich ihre Ansicht, selbst zu wissen, was Meinung des Bürgers ist und was nicht.
Mit dieser Haltung möchte ich Sie doch tunlichst bitten, Ihr Amt als Vertreter eben jener Bürger anderen Kollegen zur Verfügung zu stellen.Von einer “Werbekampagne” zu sprechen ist angesichts des Inhalts der Mails lächerlich- an keiner Stelle wird dort ein Produkt oder Kandidat explizit oder implizit beworben. Wenn Sie sich bereits durch die Aufforderung nach freier Wahl per Gewissen unter Druck geraten sehen, lässt das nur darauf schließen, daß bereits ein (parteipolitischer) Druck in anderer Richtung besteht. Der daraus folgende Rückschluß ist klar: Eine freie Wahl sieht anders aus.
Im Grunde genommen bestätigen Sie mit dieser Haltung doch nur, was der Bürger schon lange vermutet und beschädigen das Ansehen von Politik im Allgemeinen und dem Amt des Bundespräsidenten als unabhängige Instanz bundesdeutscher Demokratie.
Über die Gründe von Politikverdrossenheit braucht man sich daher nicht mehr zu wundern.
Ich erlaube mir daher, meine Antwort an Sie als offenen Brief an geeigneter Stelle zu publizieren. Ihre Nachricht an mich werde ich dabei privat behandeln und nicht im Wortlaut zitieren, es sei denn, Sie wünschen dies ausdrücklich.Mit freundlichen Grüßen,
Update:
Mittlerweile sind auch andere Antworten eingegangen, bspw. von SPD, Grünen und Verdi. Wohlgemerkt, höfliche, freundliche Antworten. Niemand hatte sich derart im Ton vergriffen, wie der Abgeordnete Löffler.
Update2:
Hauke vom Südwestdeutschen Pressedienst hat dankenswerterweise darauf hingewiesen, daß es über den sittenstrengen Reinhard Löffler interessante Details gibt, die eines Friedrich Schiller würdig wären. Von einer Geliebten ist die Rede und einem Nebenbuhler sowie Handgreiflichkeiten und Körperverletzung. Nachzulesen unter anderem in den Stuttgarter Nachrichten.
Thema: Politik | Kommentare (3) | Autor: Okular
